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Wir brauchen wieder mehr Ästhetik

Es flirrt, Teil 2. Bad Vöslau lehrt mich so einiges zum Thema Ästhetik, Poesie und die Lücken, die es zu füllen gilt. Ein Stimmungsbericht vom Wochenmarkt.



Als Künstler-Kollektiv sammeln wir unter dem Motto "Es flirrt" im Rahmen des Viertelfestival 2024 unterschiedliche Sichtweisen zu Themen, die uns als Gesellschaft bewegen. Dafür nehmen wir uns ausreichend Zeit. Jeden zweiten Samstag sprechen wir mit den Menschen am Wochenmarkt in Bad Vöslau und fangen dort unterschiedliche Stimmungen ein. Die meisten Marktbesucher/innen sind aufgeschlossen und interessiert, wir erfahren aber auch Ablehnung und plumpes Desinteresse.


Gestern führte ich ein aufschlussreiches Gespräch mit einer gepflegten älteren Dame, einer ehemaligen Juwelierin, die derzeit in Bad Vöslau auf Kur ist. Sie sei sehr zufrieden mit dem Ort, sagt sie. Alles sei gut organisiert und erfülle ihren Qualitätsanspruch: das Bad, die Behandlungen, das Essen und die Infrastruktur. Das Verhalten der Menschen mache sie aber nachdenklich. Nein, schlimmer, es mache sie traurig und verzagt. Sie vermisse eine gewisse Ästhetik, sagt sie. Disziplin sei für die meisten ein Fremdwort geworden. Das mache sich im sprachlichen Ausdruck, aber auch in unmanierlichen Gebärden bemerkbar. Sie könne das schwer in Worte fassen. Dann klingelt ihr Telefon - ihr Mann. Sie muss gehen. Ihre Antwort auf unsere aktuelle Frage: "Auf welche Begegnung freust du dich im Sommer am meisten?" würde sie uns später in Ruhe auf unsere Postkarte schreiben und in einen der Briefkästen bei den Heurigentafeln einwerfen.


Eine weitere Passantin bleibt kurz stehen um mir mitzuteilen, dass sie es großartig finde, dass es beim Viertelfestival nun endlich auch Initiativen abseits des Mainstream gebe. Währenddessen sieht sich eine Marktbesucherin interessiert die Mappe mit den KI-Darstellungen an. Wir befragen ja nicht nur die Menschen sondern wollen auch von der KI wissen, was sie zum Flirren bringt. "Für mich ist das ganz klar ein Flirt", lacht die Besucherin. In diesem Moment verdunkelt sich der Himmel und beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Alle Anwesenden flüchten unter unser Zelt. Beim Stand gleich nebenan bekommen wir noch Erdbeer-Bowle. Und während die Regentropfen an die Zeltwand klopfen und an einen Camping-Urlaub erinnern, kommen wir dicht an dicht gedrängt immer tiefer ins Gespräch. Auch Anja weilt noch unter uns. Sie müsste eigentlich längst packen. Um 19.00 Uhr geht ihr Zug nach Leipzig. Dort in der Nähe veranstaltet sie gemeinsam mit Freunden ein Festival, das sich von William Butler Yeats inspirieren lässt: "There are no strangers here; Only friends you haven't yet met.” In diesem Sinne: Kommt uns am 15.6. in Bad Vöslau besuchen. Ihr findet uns am Wochenmarkt vor dem Rathaus. Es flirrt dort sicher wieder ganz gewaltig!


Konzept/Es flirrt: Christina Merl, Klaus Kramer, Sabine Deller

Info und Eindrücke findet ihr auf: 

Infos zum Festival:



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